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Die Anfänge der mittelalterlichen
Burganlage liegen - wie so oft - im Dunkeln. Wahrscheinlich wurde der schon
vom Elmer Weidevieh der Elmer Bauern entwaldete Burgberg zwischen Anfang des
12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts mit der kleinen Burganlage besetzt. Der
kahle Bergsporn aus Muschelkalk bot einen guten Ausblick bis über das
Kinzigtal, sogar der Bergfried von Steinau war zu sehen.

Erstmals wird 1278 ein Hermann von
Brandenstein genannt, dessen Geschlecht sich nach der Burg benannte. Aber
schon 1316 gelangen die Herren von Hanau in den Besitz des Lehens
Brandenstein. Lehnsherr war der Bischof von Würzburg, der die Burg
vielleicht sogar selbst als militärischen Sicherungsposten zum Schutze des
Klosters Schlüchtern und seiner weitläufigen Besitzungen errichten ließ.
Ab 1375 führte Ulrich VI. von Hanau größere
Bauarbeiten an der Burg durch, gab aber einen Großteil seiner Rechte an der
Burg gegen eine Anleihe an den Abt des Schlüchterner Klosters weiter.
Unruhige Fehdezeiten erschütterten auch das Schlüchterner Land, das Kloster
war auf dem Höhepunkt seiner Machtentfaltung angelangt. Burg und Kloster
wurden weiter ausgebaut. 1424 wurde das Lehen Brandenstein an Herrn Mangold
von Eberstein übergeben und die Burg wurde Zentrum des Brandensteiner
Gerichtes, das für die Ortschaften Elm, Gundhelm, Hutten und Oberkalbach
zuständig war.
Im Jahre 1519 flüchtete sich eine
Nürnberger Kaufmannswitwe namens Agathe Odheimer in den Schutz des Burgherrn
Mangold II. von Eberstein, der von nun an in deren Name eine Fehde gegen die
Reichsstadt Nürnberg führte. Die Stadt gründete ihren Reichtum auf rege
handwerkliche und vor allem kaufmännische Aktivitäten, die Nürnberger Bürger
in allen Landen herumreisen ließen. So konnte von Eberstein recht
erfolgreich immer wieder Nürnberger ausspähen und festsetzen. Unter
Androhung und Anwendung von Folter blieben die Gefangenen auf dem
Brandenstein und anderen befreundeten Burgen und kamen erst gegen Zahlung
hoher Lösegelder wieder frei. 1522 wurde der Reichshauptmann Graf Georg von
Wertheim beauftragt die Burg zu belagern und einzunehmen sowie Mangold von
Eberstein gefangen zu nehmen. Die Burg wurde tatsächlich belagert,
beschossen und schließlich teilweise zerstört. Ritter Mangold gelang aber
die Flucht. Vielleicht nährt diese Flucht bis heute noch die Gerüchte von
mehreren Geheimgängen in und unter der Burg, von denen noch keiner entdeckt
werden konnte. Die “Brandesteiner Fehde” soll die am besten dokumentierte
Fehde der frühen Neuzeit sein, denn alle Unterlagen, Protokolle,
Lösegeldquittungen, Gerichtsbescheide usw. haben sich bis heute erhalten.
Die Schwester Mangolds II. von Eberstein
Ottilie war übrigens Mutter des berühmten Ritters und Humanisten Ulrich von
Hutten, der 1488 auf der benachbarten Burg Steckelberg geboren wurde.
Mitte des 16. Jahrhunderts bauten die seit
1429 in den Reichsgrafenstand eroberten Herren von Hanau die wohl verfallene
Anlage wieder auf, allerdings eher als ländliche Renaissanceschloss denn als
wehrhafte Burg. Nur noch wenig Attribute erinnern an diese alten Zeiten:
Weitgehend wurden wohl die Grundmauern sowie diverse Umfassungsmauern und
die Zugbrücke zur inneren Burganlage beibehalten, es wurden aber auch
Schießscharten zugemauert, Wehranlagen abgebrochen, Fenster und Außenwände
gesetzt... Die Tür des Treppenturmes am Hauptbau der Burg trägt die
Jahreszahl 1562, auch die erhaltenen Vorhangbogenfenster weisen stilistisch
diese Zeit. Im Großen und Ganzen hat sich die Burganlage seitdem nicht mehr
sehr verändert.
Glücklicherweise verschonten die Wirren des
30jährigen Krieges die Burg, so dass ihr ein Schicksal wie das der nahen
Burg Schwarzenfels erspart blieb, deren Hauptburg in diesen Zeiten einem
verheerenden Brand zum Opfer fiel.
1736 starb das Hanauer Grafengeschlecht mit
Johann Reinhardt aus und deren Besitzungen gingen an die Landgrafschaft von
Hessen-Kassel über. Mit den umfassenden Neuerungen des 19. Jahrhunderts
wurde 1831 auch die Gerichtsbarkeit des Brandensteiner Gerichtes an das neu
geschaffene Justizamt Schlüchtern abgegeben. Die Burg wurde Staatsdomäne und
an Pächter der Bewirtschaftung verpachtet. Im Verlauf des deutschen Krieges
paktierte Kurhessen mit Österreich und nach deren Niederlage annektierten
Preußen auch die Burg und deren zugehörigen Besitzungen. 1876 wurde die
Domäne aufgelöst und verkauft. Einer der Gründe war die Zerstückelung der
Besitzungen durch den Bau der Eisenbahnlinie vom Schlüchtern-Elmer Dreieck
nach Gemünden am Main, die ab 1868 unweit der Burg entlangführt.
Kurzfristige Besitzer waren ab 1878 Graf
Heinrich zu Stolberg-Wernigerode und ab 1887 der später in den
Freiherrnstand erhobene Reinhard von Scheffer-Boyadel, der erhebliche
Baumaßnahmen an der Burg durchführen ließ. Der spitze Turmhelm, der
Dachstuhl des Haupthauses, der Pferdestall im Torhaus, der heute das
Holzgerätemuseum beherbergt sowie die Mauer entlang der Auffahrt zu Burg
wurden nach seinen Vorstellungen errichtet oder umgebaut.
1888 verfügte er auch die Aufforstung
großer Teile des bis dahin unbewaldeten Burgberges. Heute steht die Burg -
nun von drei Seiten von dichtem Laubwald ummantelt - ganz versteckt auf dem
Burgberg; einzig die Südseite blieb größtenteils vom Waldaufwuchs verschont.
Hier zeigen sich Reste der früher intensiv bewirtschafteten “Brandensteiner
Südhangobst” - Anlage als artenreiche Streuobstwiese. Das frühere Tafelobst
wird heute für die Produktion des exklusiven Brandensteiner Bioapfelsaftes
genutzt. Ansätzen zunehmender Verbuschung und Wiederbewaldung wird mit
Pflegemaßnahmen und der Beweidung mit einer eigenen Ziegenherde
entgegengewirkt.
Im Jahre 1895 ergab sich der glückliche
Zufall, dass ein württembergischer Offizier namens Gustav von Brandenstein
die Burg mit gleichem Namen käuflich erwerben konnte. Seit 1306 saß niemand
mehr mit diesem Namen auf der gleichnamigen Burg. Die Anlage wurde sogleich
als Familiensitz renoviert und hergerichtet, so dass im März 1896 der Einzug
erfolgen konnte.
Ehefrau Mathilde von Brandenstein war die
Tochter des Würzburger Mediziners und Japanforschers Phillip Franz von
Siebold, der durch seine Tätigkeiten in Japan unzählige Einzelheiten über
das Mitte des 19. Jahrhunderts hierzulande noch unbekannte Japan der
europäischen Öffentlichkeit zugänglich machen konnte. Im Gegenzug hatte er
vielen Japanern westliche Wissenschaftsmethoden nahe gebracht, so dass der
Name Siebold in Japan noch heute in ganz besonderen Ehren gehalten wird.
Eine neu eingerichtete Sammlung zeigt persönliche Gegenstände,
Originalaufzeichnungen und Mitbringsel aus Japan von Phillip Franz von
Siebold.
Heute prächtige Bäume und Sträucher wurden
im Burgareal gepflanzt und die Obstanlage am Südhang eingerichtet. 1905 -
nach dem Tod beider Eltern - musste Sohn Alexander von Brandenstein -
Zeppelin die Bewirtschaftung der Burg übernehmen. Er heiratete 1909 Hella
Gräfin von Zeppelin, die einzige Tochter des legendären Grafen Ferdinand von
Zeppelin. Bei der Hochzeit wurde er von König Wilhelm II. von Württemberg in
den Grafenstand erhoben und der bis heute gültige Familienname von
Brandenstein-Zeppelin eingeführt.
Mit dem Telefonanschluss 1913 hält so
langsam die neuzeitliche Zivilisation Einzug auf der Burg. Erst 1932 folgte
dann die Elektrifizierung der Burg, vorwiegend für Beleuchtung und Betrieb
der Wasserpumpe benötigt. Im Dezember 1967 starb Hella Gräfin von
Brandenstein-Zeppelin und deren Tochter Isa übernahm die Burg in
Erbengemeinschaft mit ihren zwei Schwestern. Inzwischen war die einst so
berühmte Obstanlage aus mangelnder Rentabilität schon nahezu stillgelegt
worden und Ostern 1970 wurde das Holzgerätemuseum im alten Pferdestall im
Torhaus eingerichtet. |